Trailrunner Thibaud Clipet im Interview

Wir sprachen mit dem Gesamtsieger der Trailrun Masters 2019 bei den Herren

Trailrunner Thibaud Clipet siegte bei der Black Forest Trailrun Masters Gesamtwertung Etappenrennen Herren 2019. Er absolvierte die insgesamt 92 Kilometer(2 Etappen) mit insgesamt 4.250 HM in sagenhaften 9:05:34.

Salut Thibaud, zunächst mal herzlichen Glückwunsch zum Gesamtsieg bei den Black Forest Trailrun Masters 2019!

interview trailrun masters thibaud clipet
Nach der 2. Etappe Trailrun Masters

Wie lief es heute für dich bei der zweiten, finalen Etappe?
Als ich heute aufgestanden bin ging es mir erstaunlich gut, meine Beine waren nicht so schwer und das nach einem Tag wie gestern!
Ich habe mich kurz 10 Minuten warmgelaufen, dann ging es an den Start. Mir war klar, dass Dominik Meier viel schneller ist, also hab ich ihn mal laufen lassen und bin dann einfach mein Rennen gelaufen.

Dann gab es diese vorletzte Steigung – nur knapp 100 HM – da ging ´Nichts mehr, ich konnte nur noch gehen. dann hab ich noch ein Gel gegessen. 15 Minuten später war ich dann an der nächsten Verpflegung und dann ging es wieder… Da habe ich schon echt einen harten Tiefpunkt gehabt und das hat mich schon etwas Zeit gekostet.

Thibaud Clipet & Miriam Köhler
bei der Siegerehrung

Wie ist das: Läufst du ein Etappenrennen ganz anders als ein Eintagesrennen?
Gestern wusste ich schon , dass ich einen ganz guten Vorsprung habe und so konnte ich die letzten drei, vier Kilometer bewusst etwas auslaufen. Falls dann doch noch Jemand zurückkommt, kann ich dann immer noch Vollgas geben. Ich versuche schon, mich auch ein wenig für die nächste Etappe zu schonen – Ich denke die Strecke gestern hätte ich sonst schon so 15 Minuten schneller laufen können.
Man sollte auf jeden Fall keinen Endspurt laufen, das bezahlt man sonst teuer am nächsten Tag!

Wie waren die Bedingungen in diesem Jahr?
Gestern war es wirklich sehr schlecht, erst als wir runterkammen in die Schlucht lies der Regen nach und es wurde deutlich wärmer. Heute war es eigentlich ganz okay, es hat genieselt Oben am Tafelbühl war es kalt, insbesondere der Wind den hat man wirklich gespürt. Der Rest waren dann eigentlich optimale Bedingungen, nicht zu warm und nicht zu kalt. Leider war auch der Blick nicht so gut, aber oben am Berg war man über den Wolken und die Kirche (am Hörnleberg, Anm. d. I.) lag so über einem Wolkenmeer, das war schon wirklich sehr schön. Aber manchmal ist man einfach zu schnell unterweg, um das richtig genießen zu können.

Wie war die Strecke vom Untergrund her?
Heute war der erste Teil das komplette Gegenteil zu gestern, wirklich sehr steil und schöne einfache Forstwege bergab, auf denen man die Beine wirklich lockern konnte.
Der zweite Teil ab Tafelbühl dann waren Wege, die genau die Steigung haben, die ich nicht mag, wo ich nicht weiss ob ich nun laufen oder gehen soll. Ist der dann vorne glaufen, bin ich auch gelaufen, aber das war echt schwierig! Aber dann der Trail runter, auf dem Zweitälersteig, das war wirklich sehr schön, immer wieder schön steil – das war sehr angenehm zu laufen.
Also ich finde, die Strecke ist eine gute Mischung mit verschiedenen Abschnitten passend für viele Läufer – nicht für solche unbedingt, die extrem technische Passagen wollen. Eine gute, schön laufbare Strecke.

Wie hast Du eigentlich Du eigentlich von den Trailrun Masters erfahren, wann kam die Idee hier mitzulaufen?
Die Idee hatte ich eigentlich schon 2014 – damals war das noch der „Black Forest Trail Maniak“ die Starts waren alle um Mitternacht und das ist dann leider ausgefallen, weil die Jäger das nicht zugelassen haben. So habe ich das Event immer irgendwie im Blick behalten und wollte dieses Zwei-Tage-Rennen unbeingt laufen, denn zwei Tage, ist auch etwas was gut zu mir passt. Ich wollte das dann auch mit meiner Frau zusammen laufen (Trailrunnerin Anna Clipet, Anm. d. I.). So haben wir dieses Jahr gesagt, okay die Zeit passt gut und der letzte große Wettkampf war Ende August – das passt also gut. Juli & August bedeutet für mich inzwischen fast ausschließlich Laufen in den Alpen, da bin ich auf ganz anderen Strecken unterwegs. Der September ist dann ein wenig Erholung, so das ich im Oktober noch einen großen Ultra packen kann, mein Saisonabschluss also.
Zu den Black Forest Trailrun Masters kommt man, weil man Leute kennt, die das gemacht haben , die darüber reden, reine Mundpropaganda…

Trailrunner Clipet

Wie findest Du im Rennen die richtige Pace, den richtigen Rythmus?
Schwierige Frage: Gestern z.B. ist am Anfang der Erste sehr schnell gestartet und ich habe gleich gedacht, wenn ich da mitgehe kriege ich später Probleme. Das hat sehr viel mit Erfahrung zu tun, gestern bin ich dann eigentlich ein Tempo gelaufen, dass ich im Training auf 15, 20 Kilometer laufe – im Wettkampf pusht man sich immer ein wenig mehr. Ich finde – aber das muss jeder persönlich entscheiden, das so das Trainingstempo, dass man für 1/3 der Strecke nehmen würde das Richtige ist.

Kontrollierst du das Tempo noch mit der Uhr?
Ich muss sagen ich laufe nur nach Gefühl. Auf dem Trail ist das schwierig – was nimmst du da für einen Wert für Km/h? Das ist ja komplett vom Gelände, von der Steigung abhängig. Natürlich habe ich den Track zur Sicherheit auf der Uhr gespeichert, um mich nicht zu Verlaufen, , aber ich schaue da eigentlich nie drauf.
Ich höre da voll auf mein Gefühl, natürlich wenn es am Ende knapp wird, dann muss man sich anpassen & mitziehen, aber so ca 80% laufe ich die Strecke nur für mich, in meinem Tempo.

Was waren die schwierigsten Momente im Rennen?
Das Wetter! Gerade ganz oben auf den Bergen, am Tafelbühl, wenn man da dann rauskommt, der starke Wind, das war schon extrem.
Den Tafelbühl mit der Steigung so heute komplett hochzujoggen, von unten nach oben, das ist schon ein langes Stück, das war schlimm. Von der Technik her war das für mich okay.

Was gefällt Dir an den Black Forest Trailrun Masters besonders?
Das ist eine kleine, familiäre Veranstaltung, man fühlt sich ein klein wenig wie Zuhause. Es ist eine schnelle Strecke, die man gut trainieren kann und nicht zu lang. Optimal in der Saison gelegen.
Man trifft viele Leute, die man von Bergläufen her kennt. Neben der familiären Atmosphäre ist es echt gut organisiert. Alles ist nah beieinander, Duschen, Essen, Startnummernausgabe, das finde ich sehr angenehm.

Was denkst Du könnten wir besser machen, um das Event noch attraktiver zu machen?
Das sind so ein paar Kleinigkeiten: Ein Zielband zum zerreissen wäre schön, vielleicht noch Orientierungsschilder an den Verpflegungen, wo man sich gerade auf der Strecke befindet. Die Siegerehrung könnte noch besser inszeniert werden, das ist den Läufern einfach wichtig.

Vielen Dank, dass Du dir die Zeit genommen, hast! Weiterhin viel Erfolg!

Wir führten das Interview am 06.10.2019 in Simonswald nach dem Wettbewerb.

Thibaud Clipet (Landau Running Company)
Jahrgang: 1983
Sponsoren: Merrell, Landau Running Company, Meltonic, Petzl, Julbo
Größte Erfolge:
Finisher "Diagonale des Fous" La Reunion in 35h (170km/12.000 HM)
Thibaud schreibt auch Artikel für das "Running" Magazin
Website: http://terrilsteiger.blogspot.com/
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